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Ein Frauenherz

Roman

Erschienen am 07.03.2006
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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783717520825
Sprache: Deutsch
Umfang: 509 S.
Format (T/L/B): 2.3 x 15.5 x 10 cm
Einband: Leinen

Beschreibung

Friedrich Nietzsche bewunderte ihn, Heinrich Mann widmete ihm seinen ersten Roman, Henry James warb für sein Werk: Paul Bourget. Mit diesem Roman, der nun erstmals in deutscher Übersetzung erscheint, ist ein moderner Seelenzeichner zu entdecken, dessen intime Einblicke in menschliches Begehren noch heute überraschen. Die junge, attraktive Witwe Juliette de Tillières gehört den vornehmsten Pariser Kreisen an. Wie viele ihrer Bekannten unterhält sie eine heimliche Affäre, während sie zugleich großes öffentliches Ansehen genießt. Als ihr bei einer Abendgesellschaft Raymond Casal vorgestellt wird, verläuft die Begegnung für beide schicksalhaft: Juliette fühlt sich zu dem Lebemann hingezogen, dem der Ruf eines Frauenhelden vorauseilt. Casal ist gleichfalls tief beeindruckt, macht ihr bereits am folgenden Tag seine Aufwartung und stellt in Aussicht, sein Leben ihr zuliebe grundlegend zu ändern. Noch bevor er den Beweis antreten kann, kehrt Juliettes Liebhaber von einer Reise zurück, was sie in tiefe Gewissenskonflikte stürzt. Statt sich zu einem der beiden Männer zu bekennen, zögert sie und beschwört damit eine Katastrophe herauf. Paul Bourget (1852-1935), Avantgardist des psychologischen Romans in Frankreich, wertet und verurteilt nicht, sondern schildert vorurteilslos die Auswirkungen moralischer und gesellschaftlicher Widersprüche auf die menschliche Psyche. Bereits Friedrich Nietzsche, einer seiner ersten deutschen Leser, bewunderte in Bourgets Werk das Zusammentreffen einer 'Religion des Mitleidens' mit 'messerscharfer und grausamer Psychologie'. Die minutiöse Analyse der seelischen Konflikte und nervösen Überreizungen seiner Figuren zeugt von der eindrucksvollen Modernität dieses Autors.

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Leseprobe

Ein Kutschenunfall An einem blauen und klaren Nachmittag im März des Jahres 1881, gegen drei Uhr, wurde die Gräfin de Candale, eine der zwanzig "hübschesten Frauen" von Paris - wie die Zeitungen sagen -, Opfer eines ebenso unangenehmen wie alltäglichen Unfalls, der auch böse hätte ausgehen können. Als ihr Kutscher um die Ecke der Avenue d'Antin bog, um zu den Champs-Elysees hinabzufahren, erschrak das Pferd des Coupes, scheute und stürzte, wobei der Wagen so unglücklich gegen den Bürgersteig stieß, daß die linke Gabeldeichsel brach. Die Gräfin kam mit einem heftigen Stoß und einem Nervenschock, der nur wenige Sekunden dauerte, davon. Aber alle ihre Verabredungen für diesen Tag gerieten mit einemmal durcheinander; und die Liste war lang, wenn man der weißen, mit Leder eingefaßten Tafel Glauben schenken durfte, die, zusammen mit der kleinen Pendeluhr und dem Portefeuille für die Visitenkarten, auf dem Rücksitz des Wagens untergebracht war. Auf dem hübschen Gesicht der jungen Frau, diesem von einem warmen Schimmer blonder Haare umrahmten, schmalen Gesicht mit den zarten Zügen, dem feinen Profil und den frischen blauen Augen, malte sich daher Ärger, ja fast so etwas wie Zorn ab, während sie, umringt von einer Menschenmenge, aus ihrer Kutsche stieg. Die allgemeine Neugier, deren Gegenstand sie war, versetzte sie vollends in schlechte Laune, und sie, die für gewöhnlich so gerecht, ja sogar nachsichtig gegenüber ihren Dienstboten war, sagte mit aufgebrachter Stimme zu ihrem Lakaien: "François, sobald das Pferd wieder auf den Beinen ist, soll sich dieser ungeschickte Kerl von Aimé allein weiterhelfen. Sie gehen in den Club in der Rue Royale. In weniger als einer halben Stunde soll mich ein Wagen bei Madame de Tillières abholen." Und in ihren Schnürstiefeln, die fast zu fein waren, um darin auf der Straße zu gehen, begab sie sich zu Fuß in die Rue Matignon, wo die Freundin wohnte, deren Namen sie gerade dem armen François genannt hatte. Letzterer, ein großer Bursche, wie erstarrt in dem langen, hellen Überrock seiner Livree, noch bleich von dem Schrecken, den ihm der Sturz des Pferdes eingejagt hatte, konnte kaum "Ja, Madame" antworten, da beschimpfte ihn sein Kamerad, der vom Bock gefallen und vor Beschämung ganz rot geworden war, bereits, weil er ihm nicht zu Hilfe kam. Madame de Candale hatte sich inzwischen einen Weg durch die Menge der Neugierigen gebahnt. Sie war völlig mit ihrem durcheinandergeratenen Nachmittag beschäftigt. "Der ungeschickte Kerl!" dachte sie. "Und daß mir das gerade heute passieren muß, wo ich so in Eile bin. Hoffentlich ist Juliette noch zu Hause. Wenn nicht, kann man auch nichts machen, dann werde ich eben bei ihrer Mutter auf sie warten. Ich würde sie auf alle Fälle gerne treffen. Wir haben uns schon fast eine Woche lang nicht mehr gesehen. In Paris kommt man zu nichts." Während sie dieses Selbstgespräch führte, ging sie weiter, den kleinen, mit einem köstlichen, malvenfarbenen Überwurf bedeckten Kopf hocherhoben, die geschmeidige Gestalt in einen langen, grauen Mantel gehüllt, der mit einer Federbordüre in derselben Farbe besetzt war. Sie ging unter den Blicken der Passanten die Straße entlang, unter diesen Blicken, aus denen eine Frau in ihrer Jugend den Triumph, im Alter die Niederlage ihrer Schönheit ablesen kann. Wenn eine Fußgängerin so sehr den Eindruck einer "großen Dame" erweckt wie Gabrielle de Candale, die selbst heute noch so aussieht, dann spielt derjenige, der dieser Frau begegnet, eine kleine Komödie. Er geht an ihr vorbei, und Sie denken zunächst, er habe sie nicht gesehen. Aber Sie brauchen nur zu warten, bis sie zwei Schritte entfernt ist, und schon können Sie die rasche Bewegung beobachten, mit der er sich ein-, zwei-, dreimal umdreht, um ihr mit den Augen zu folgen. Die Physiologen mögen dieses rätselhafte Spiel erklären! Sie ihrerseits hat es nicht nötig, sich umzudrehen, um sich ihrer Wirkung sicher zu sein, und - dies andere Rätsel mögen die Moralisten erklären - sie fühl Leseprobe

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