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Subjektivierungen und Kriminalitätsdiskurse im 18. Jahrhundert

Preußische Soldaten zwischen Norm und Praxis, Schriften des Frühneuzeitzentrums Potsdam 10

Erschienen am 12.04.2021, 1. Auflage 2021
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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783847111641
Sprache: Deutsch
Umfang: 511 S., 7 Fotos
Format (T/L/B): 3.1 x 23.7 x 16.4 cm
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

Kaum eine Armee galt lange Zeit als derart 'diszipliniert' und ausgebildet wie die preußische Armee im frühen 18. Jahrhundert. Kriegsartikel und drastische Strafschilderungen schufen das Bild von einer Militärjustiz, die den einzelnen Soldaten beliebig abstrafen konnte, um das militärische Gefüge zu schützen. Die hohe Anzahl einzelner Delikte und die daraus resultierenden Spannungen belegen jedoch eine gewisse 'Verweigerungshaltung' gegenüber der Anerkennung von Normen. Mittels der Analyse von Gerichtsakten vom Infanterieregiment des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau zeigt die Autorin exemplarisch die Handlungsmöglichkeiten der Soldaten vor Gericht und die Interpretationsspielräume für den Umgang mit Kriminalität im preußischen Militär auf: Die Soldaten bewiesen zum Teil eine gute Kenntnis von bewährten Verteidigungsstrategien und zeigten ihr Verständnis von Stand, sozialer Schicht und sozialer Zugehörigkeit, welche die Lebenswelt und Identität des Einzelnen ebenso bestimmten wie die Gruppenidentität. Hardly any other army was long regarded as "disciplined" and drilled as the Prussian army in the early 18th century. Articles of war and drastic punishment created the image of a military justice system that could punish individual soldiers at will, in order to protect the military structure. However, the high number of individual offences and the resulting tensions demonstrated a certain "refusal" attitude towards the recognition of norms. The author analyses court records from the infantry regiment of Prince Leopold of Anhalt-Dessau which show individual cases the soldiers' options for action in court and the scope of interpretation for dealing with crime in the Prussian military. Here, the soldiers showed good knowledge of tried and tested defence strategies, showed understanding of rank, social class and social affiliation.

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DE 37073 Göttingen

Autorenportrait

Dr. Janine Rischke-Neß studierte Geschichte, Literatur und Philosophie an der Universität Potsdam und wurde dort 2019 promoviert. Ihr Forschungsschwerpunkt ist die Militär- und Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts. Aktuell ist sie in der Erwachsenenbildung und im E-Learning tätig.

Rezension

Kaum eine Armee galt lange Zeit als derart »diszipliniert« wie die preußische Armee im frühen 18. Jahrhundert. Kriegsartikel und drastische Strafschilderungen schufen das Bild von einer Militärjustiz, die den einzelnen Soldaten beliebig abstrafen konnte, um das militärische Gefüge zu schützen. Die Analyse von Gerichtsakten vom Infanterieregiment des Fürsten Leopold von Anhalt-Dessau belegen jedoch eine gewisse »Verweigerungshaltung« gegenüber der Anerkennung von Normen. Der Band zeigt Handlungsmöglichkeiten der Soldaten vor Gericht und die Interpretationsspielräume für den Umgang mit Kriminalität im preußischen Militär.

Soldaten waren einer strengen Militärgerichtsbarkeit unterworfen. Der militärische Stand eröffnete ihnen vor Gericht jedoch Handlungs- und Interpretationsspielräume, die auch im Militär Diskurse zu Kriminalität und Strafe ermöglichten.

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