Beschreibung
Goethes literarisches Werk ist in vielerlei Hinsicht stilbildend für die Folgezeit gewesen - so auch sein großer Ehe- oder besser: Ehebruchsroman Die Wahlverwandtschaften von 1809. Wie immer die dargestellten Ehe- und Beziehungskrisen gelöst werden, das Thema beschäftigt die Literatur bis heute. Der Essay spannt einen weiten Bogen vom frühen 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Am Beispiel einer Reihe höchst unterschiedlicher Prosatexte wird deutlich, wie jede Zeit ihre eigenen Antworten findet auf die alte Frage nach der Liebe zwischen Mann und Frau.
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Autorenportrait
Oliver Sill, Jahrgang 1957, studierte Germanistik, Geschichte und Erziehungswissenschaften in Münster. Promotion 1990, Habilitation 2000. Veröffentlichungen u.a.: Zerbrochene Spiegel. Studien zur Theorie und Praxis modernen autobiographischen Erzählens (1999); Literatur in der funktional differenzierten Gesellschaft. Systemtheoretische Perspektiven auf ein komplexes Phänomen (2001); Der Kreis des Lesens. Eine Wanderung durch die europäische Moderne (2001); Kein Ende und ein Anfang. Germanistische Literaturwissenschaft der sechziger und siebziger Jahre (2003).
Rezension
Sills Essay zielt auf einen größeren Leserkreis und ist dafür durch das Konzept des anschaulichen Vergleichs, durch die hilfreichen Inhaltsangaben der analysierten Werke und die lebendige Prägnanz seiner Sprache bestens geeignet.Paul Mog in „Germanistik“ (Bd. 50/H. 3-4)[…] Das andere Werk, von Oliver Sill, ist ein großer Essay, der unter dem Thema Liebe und Skandal den Bogen spannt von Goethes Wahlverwandtschaften bis zu neueren Romanen wie Walsers Ein fliehendes Pferd und Dieter Wellershoffs Liebeswunsch. Auch Werke etwa von Döblin, Böll, Christoph Hein, Hera Lind erscheinen, insgesamt zwanzig an der Zahl. Immer geht es um die Kluft von Sex und Sittlichkeit. Der Ehebruch und ähnliche Gebaren des Rebellierens, die bei Goethe nur phantasiert werden, erobern intensiv die Literatur. Dem Essay-Charakter des Buches entsprechend kommt Sill ganz ohne Fußnoten aus. […] Sehr gut beobachtet Sill, wenn er Fontanes Kreieren als ein „Ausleuchten“ der Realität kennzeichnet. Sill hat für alle seine besprochenen Werke Inhaltsangaben beigefügt, so dass sich das Buch im Rahmen seines Liebes-Themas auch als ein Romanführer lesen läßt.“Martin Lowsky in „Mitteilungen der Theodor Fontane Gesellschaft“ (39/Dez. 2010)Siehe auch die Webseite von Oliver Sill: www.oliversill.de
Inhalt
Einleitung
Erstes Kapitel
Von der Unerbittlichkeit zur Gleichgültigkeit
Johann Wolfgang von Goethe: „Die Wahlverwandtschaften“ (1809)
Katharina Hacker: „Die Habenichtse“ (2006)
Intermezzo: Wahlverwandtschaften II
Theodor Fontane: „Effi Briest“ (1895)
Zweites Kapitel
Versteinerte Verhältnisse
Theodor Fontane: „Irrungen, Wirrungen“ (1888)
Eduard von Keyserling: „Wellen“ (1911)
Marie Wegrainer: „Der Lebensroman einer Arbeiterfrau“ (1913)
Intermezzo: Wahlverwandtschaften III
Alfred Döblin: „Berlin Alexanderplatz“ (1929)
Drittes Kapitel
Der große Schrecken
Hans Fallada: „Kleiner Mann – was nun?“ (1932)
Irmgard Keun: „Das kunstseidene Mädchen“ (1932)
Erich Kästner: „Fabian“ (1931)
Viertes Kapitel
Orientierungsversuche
Heinrich Böll: „Das Brot der frühen Jahre“ (1955)
Alfred Andersch: „Die Rote“ (1960/1972)
Intermezzo: Wahlverwandtschaften IV
Martin Walser: „Ein fliehendes Pferd“ (1978)
Fünftes Kapitel
Liebe West – Liebe Ost
Wilhelm Genazino: „Fremde Kämpfe“ (1986)
Christoph Hein: „Drachenblut“ (1982)
Intermezzo: Wahlverwandtschaften V
Dieter Wellershoff: „Der Liebeswunsch“ (2000)
Sechstes Kapitel
Konzeptionen der Liebe
Markus Werner: „Am Hang“ (2004)
Undine Gruenter: „Der verschlossene Garten“ (2004)
Siebtes Kapitel
Geschlechterkämpfe
Hera Lind: „Das Superweib“ (1994)
E. Marlitt: „Im Hause des Kommerzienrates“ (1877)
Ausblick