Beschreibung
Zur 'Kriegsbeute' der deutschen Wehrmacht gehörten Millionen von Zivilisten, die gegen ihren Willen zur Arbeit im Deutschen Reich eingesetzt wurden. Allein im Großraum Bielefeld zählte man in den Jahren von 1939 bis 1945 insgesamt 14.721 'Fremdarbeiterinnen' und 'Fremdarbeiter'. Ihr Schicksal ist Gegenstand dieser ersten umfassenden Darstellung, die mit Hilfe bisher nicht zugänglicher Quellen ein Resümee der Bielefelder Forschung zum Thema Zwangsarbeit bietet.
Autorenportrait
Hans-Jörg Kühne, Dr. Studium: Geschichtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft und Soziologie in Bielefeld. Freischaffender Historiker und Musiker; Autor zahlreicher historischer Sachbücher und Kriminalromane. Forschungsschwerpunkte: Geschichte Bielefelds, Zweiter Weltkrieg, 68er-Bewegung.
www.hans-joerg-kuehne.de
Buch im Verlag für Regionalgeschichte:
Herausforderung Migration. Die Geschichte der Beckhofsiedlung der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel, 2008
Rezension
Kühne legt einen Gesamtüberblick über den 'Fremdarbeitereinsatz' in der Bielefelder Wirtschaft vor. Einleitend widmet er sich den Rahmenbedingungen heutiger Entschädigungsleistungen, den wirtschaftspolitischen Implikationen der Zwangsarbeit und der historischen Positionierung Bielefelds in der deutschen Kriegswirtschaft. Es folgt die detaillierte Darstellung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Zwangsarbeiter an neun ausgewählten Firmenbeispielen in Bielefeld-Stadt und -Land. Gutes Darstellungsvermögen und die sorgfältig ausgewählten Zitate und interessanten Bildquellen belegen den Sachverstand Kühnes. Wegen der Vergleichbarkeit mit Gemeinden ähnlicher Größe und wirtschaftlicher Struktur hat die Untersuchung auch überregionale Bedeutung.
Ines Oberling, in: Archivpflege in Westfalen und Lippe, 2002
Leseprobe
Leseprobe
Inhalt
1. Einleitung
2. Rahmenbedingungen für die Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter
3. Bielefeld und der Beginn des Zweiten Weltkriegs
4. Vom Blitzkrieg zum Abnutzungskrieg – Wirtschaftspolitische Implikationen der Zwangsarbeit
5. Bielefeld und die Kriegswirtschaft
6. Zwangsarbeit in der Stadt: Lebens- und Arbeitsbedingungen
6.1 Unterbringung und Behandlung der 'Fremdarbeiter' bei der Firma 'Arntzen-Leichtbau KG.'
6.2 Die Bedingungen bei den 'Kammerich-Werken Aktiengesellschaft'
6.3 Die 'Anker-Werke AG.' in Bielefeld – Wirtschaftliches Überleben nur mit Zwangsarbeitern
6.4 Das größte Unternehmen der Stadt: Die 'Dürkoppwerke Aktiengesellschaft'
6.5 Ein besonderer Fall – die 'Benteler-Werke Aktiengesellschaft'
6.6 Bestätigen Ausnahmen die Regel? Das Beispiel 'Miele & Cie.'
6.7 Die 'Ruhrstahl Aktiengesellschaft' in Brackwede – Großbetrieb gleich schlechte Behandlung der Ausländer?
6.8 Krankheit und Krankheitskosten bei 'Ostarbeitern': Das Beispiel der 'Göricke-Fahrrad- und Maschinenfabrik GmbH.'
6.9 Normalität oder krampfhafte Integration? Zwangsarbeiter bei der Firma 'H.C. Fricke GmbH.'
7. Grenzfälle – Grenzerfahrungen
7.1 Gute Behandlung und Misshandlung
7.2 Abrutschen in die Barbarei: Gefängnis und Arbeitserziehungslager
8. Zeichen der Auflösung
9. Das Kriegsende in Bielefeld
10. Zwangsarbeit nach 1945 – Ein wenig beachtetes Phönomen
11. Bielefeld und die Entschädigung seiner Zwangsarbeiter
12. Zwangsarbeit in der Stadt – Zahlen und Fakten
13. Resümee
Quellen- und Literaturverzeichnis