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Nomadische Ressourcennutzung und Existenzsicherung im Umbruch

Die osttibetische Region Yushu (Qinghai, VR China)

Erschienen am 21.12.2012
88,00 €
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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783895006432
Sprache: Deutsch
Umfang: 504
Format (T/L/B): 24.0 x 17.0 cm

Beschreibung

Das vorliegende Buch fasst das vorhandene Wissen über die nomadische Lebensweise im tibetischen Hochland zusammen und verknüpft dieses mit einer entwicklungstheoretisch angeleiteten Analyse der heutigen Bedingungen nomadischer Existenzsicherung. Ausgehend von der osttibetischen Region Yushu in Qinghai (China) beschäftigt es sich mit der Frage, wie nomadische Gesellschaften in Zeiten des Umbruchs die ihnen zur Verfügung stehenden Ressourcen zur Existenzsicherung nutzen. In einer lange Zeit als besonders abgelegen geltenden, ökologisch problematischen und ökonomisch randständigen Hochlandregion werden in qualitativ und quantitativ bewerteten Fallstudien die Lebensgrundlagen nomadischer und seminomadischer Haushalte untersucht. Dabei wird die einzigartige Rolle des Raupenpilzes, einer im Westen häufig unbekannten, in tibetischen Nomadengebieten jedoch enorm wichtigen Ressource, deutlich gemacht. Das Buch erörtert, in welcher Weise ressourcenbezogene Handlungsmuster und exogene Faktoren zusammenwirken, um das Ausmaß von Absicherung, Verwundbarkeit und Resilienz von Haushalten, Gruppen und der übergeordneten Gesellschaft zu bestimmen.

Autorenportrait

Andreas Gruschke Studium der Geographie, Ethnologie und Sinologie in Freiburg i.Br. und an der Universität für Sprache und Kultur in Peking. 1990 Magister Artium an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und 2009 Promotion an der Universität Leipzig. Von 2004 bis 2012 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sonderforschungsbereich „Differenz und Integration: Wechselwirkungen zwischen nomadischen und sesshaften Lebensformen in Zivilisationen der Alten Welt“ an der Universität Leipzig. Studien-, Arbeits- und Forschungsaufenthalte in China, Korea, im Hochland von Tibet, Himalaja-Raum sowie in Zentralasien. Forschungsschwerpunkte: Historische Geographie, Geographische Entwicklungsforschung, Fragen der Akkulturation und Integration, Pastoralismus und Migration, Zentral- und Hochasien. Seit November 2012 Gastprofessur am Social Development & Western China Development Studies Institute der Sichuan-Universität in Chengdu, China.

Rezension

-----------------------------------------„The ambitious doctoral dissertation of Andreas Gruschke aims at 'expanding and deepening the knowledge about nomadic life in Tibet' (p. 13) and focuses on the interrelationship between human-environmental resource systems and the adaptive strategies of human actors within achanging historic-political setting and a transforming socio-economic framework.“ Von Hermann Kreutzmann In: http://www.erdkunde.uni-bollll.de/archive/20 13-lIbook-reviews-20 13-4 --------------------------------------„Die Stärke des Buches besteht zweifelos in der Datenbasis, auf die sich der Autor stützt qualitative und quantitative Feldforschung in einer überschaubaren Region. Indem Andreas Gruschke seine Interviewpartner wiederholt wörtlich zitiert, eröffnet er einen wertvollen Einblick in die Wahrnehmung der betroffenen Personen und untermauert so auf sehr glaubwürdige Weise. dass er nicht nur über einen bestimmten Gegenstand forscht, sondern die Betroffenen aktiv in seine Untersuchungen einbezieht. Diese Fallstudien verleihen der Arbeitnicht nur einen sehr anschaulichen und lebendigen Charakter, sie zeigen auch die Bandbreite der nomadischen Lebensweise(n).“ Von Diana Lange In: Internationales Asiaforum, 44. Jahrgang, 2013, 3-4/13, S. 393-394.--------------------------------------„In der Vielzahl der aktuellen Publikationen kommt der Studie von Andreas Gruschke aus mehreren Gründen eine bemerkenswerte Bedeutung zu. Sie behandelt nicht nur am konkreten Fall das Existenzthema, sondern besticht durch eine gründliche und detaillierte Literaturkenntnis. einen verlässlichen und umsichtigen Quellennachweis, einen profunden Umgang mit der einschlägigen nomadismus-, entwicklungsrelevanten und theoretischen Diskussion. Es fällt auch die überaus solide und bemerkenswert breit angelegte empirische (Feld-) Forschung auf und dabei erscheint mir von besonderer Bedeutung die feinsinnige Wahrnehmung und Beachtung der lokalen sozialen und natürlichen Besonderheiten der untersuchten Gruppenund Regionen.“ Von Fred Scholz In: Geographische Rundschau 1, 2014, S. 11.---------------------------------------„This book contains case studies that have never been previously presented, and introduces these highland communities' current situation in a clear, detailed, and discriminating light that is rich in data. (...) The core of the publication consists of detailed case studies from eight communities in four very different environments. (...) In sum, Gruschke demonstrates that drokpas eope successfully with eontinuous change and have diversified theirlivelihood strategies as a response to a multitude of external and internal pressures.“ By Daniel Winkler In: Nomadic Resource Management and Livelihood Strategies. Sian Highlands Perspective 28, 2013, S. 387-391. -------------------------------------- „Als 1950 Maos Truppen in Tibet einmarschierten um das Land von der Feudalherrschaft buddhistischer Klöster und adeliger Landbesitzer, vor allem aber vom westlichen Imperialismus - der zum damaligen Zeitpunkt aus Heinrich Harrer, Peter Aufschnaiter und dem britischen Funker Robert Ford bestand - zu befreien, gab es auch im tibetischen Hochland keinen Ort, der von den einsetzenden politischen Umwälzungen verschont geblieben wäre. Im Verlauf der fünfziger Jahre wurde die bäuerliche und nomadische Gesellschaft in Volkskommunen überführt, Landbesitz abgeschafft, Yaks, Schafe und Ziegen neu verteilt. Die Kulturrevolution der sechziger Jahre tat ein Übriges, um alles Alte und Bewährte, Tradition und Brauchtum abzuschaffen oder zu zerstören. Die Folgen waren katastrophal, die an der Selbstversorgung des Landes orientierte Wirtschaft brach zusammen, der Tierbestand, der die Lebensgrundlage der Nomaden ist, ging dramatisch zurück, Armut und Hunger, im alten Tibet weitgehend unbekannt, wurden zum Problem. Erst Ende der siebziger Jahre war der Spuk vorbei, die Viererbande gestürzt und auch die verantwortlichen Funktionäre sahen ein, dass in dem von Nomaden bewirtschafteten, lebensfeindlichen Hochland von Tibet allein die traditionelle, mobile Weidewirtschaft Überlebenschancen hat. Die ersten Touristen der frühen achtziger Jahre berichteten denn auch, dass das frühere System der nomadischen Bewirtschaftung der kargen Weiden wieder aufgenommen worden war, dass erfahrene Nomaden ihre Tierherden wieder mehrten, dass traditionelles Brauchtum und archaische Lebensweise sich wieder dem Bild genähert hatten, das man sich vom Nomadentum machte. Die Welt schien wieder in Ordnung zu sein. War sie das aber wirklich? War eine Rückkehr in die alte Welt überhaupt möglich? Sie war es nicht, wie sich zeigte. Die Weiden wurden weniger und schlechter, Strassenbau, Pisten und Fahrwege reduzierten und beschädigten die empfindliche und ohnehin spärliche Vegetation, Jagd und Wilderei dezimierten Wolf und Fuchs, die natürlichen Feinde kleiner Nager, die heute zu Millionen das Weideland unterhöhlen und damit Austrocknung und Erosion fördern. Der globale Klimawandel schließlich macht auch vor dem tibetischen Hochland nicht Halt, der für ein ökologisches Gleichgewicht sorgende Permafrostboden taut mehr und mehr auf und winterliche Schneekatastrophen, die den Tierbestand großer Gebiete drastisch reduzieren, oft sogar ganz vernichten, häufen sich. Und nicht zuletzt hat die Bevölkerung dank besserer medizinischer Versorgung und deutlicher Reduzierung der Kindersterblichkeit stark zugenommen. Das Minimum an Tieren, seien es Yaks, Schafe oder Ziegen, das für jedes Mitglied einer Nomadenfamilie notwendig ist, um die Existenz zu sichern, ist oft nicht mehr vorhanden. Hinzu kommen der wirtschaftliche Aufschwung des modernen China, der demographische Wandel und die Globalisierung und mit ihnen ökonomische und soziale Veränderungen und Konsumzwänge. Über all dies ist in der umfangreichen Tibet-Literatur fast nie zu lesen, es überwiegt vielmehr noch immer eine idealisierte, mit nostalgischen Bildern versehene Vorstellung vom freien Nomadenleben. Mit Andreas Gruschkes tief greifender wissenschaftlicher Untersuchung über die nomadische Ressourcennutzung in der osttibetischen Region Yushu ist dieser Mangel, jedenfalls regional behoben. Das Buch ist das Ergebnis eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes mit mehrjähriger empirischer Feldarbeit zur aktuellen Gesellschaft und Lebenswelt der Nomaden. Hauptteil der Untersuchung, die im Jahre 2009 der Universität Leipzig als Dissertation vorgelegt wurde, ist die systematische Befragung repräsentativ ausgewählter Personen aus allen in der Region Yushu in Ost-Tibet anzutreffenden Siedlungsformen, vom klassischen Nomadenland bis zum städtischen Bereich. Auch wenn sich das zu dem Sonderforschungsbereich "Nomaden und Sesshafte - Differenz und Integration" der DFG erschienene Buch in erster Linie an Soziologen, Anthropologen und Fachleute ähnlicher Fachrichtungen wendet, so ist es doch auch für jeden an der tibetischen Wirklichkeit interessierten Leser von hohem Interesse und darüber hinaus spannend zu lesen. Durch die vielen, im Original-Wortlaut wiedergegebenen Kommentare von tibetischen Nomaden wird das Schicksal, das Tibet im vergangenen halben Jahrhundert erleiden musste, in einzigartiger Weise anschaulich und lebendig. Umerziehung und Enteignung, die Gräueltaten fanatisierter roter Garden während der Kulturrevolution, Verarmung, Not und Krankheit, der Verlust von Tieren durch wochenlang anhaltende Schneefälle, können durch die wenigen Verbesserungen und Annehmlichkeiten, die moderne Zeiten gebracht haben, kaum kompensiert werden. So weit, so schlecht, könnte man sagen. Es ist ein eher düsteres Bild von der Gegenwart und Zukunft des tibetischen Nomadismus, das hier gezeichnet wird. Wäre da nicht eine weitere Ressource, die zwar seit Jahrhunderten bekannt und geschätzt ist, die aber im zurückliegenden Jahrzehnt einen ökonomischen Höhenflug erlebt hat, für die es kein Beispiel gibt: Es ist der Raupenpilz, cordyceps sinensis, ein eigenartiges Naturprodukt, dessen Name sich von der Metamorphose einer von Pilzsporen befallenen Mottenlarve in einen Pilzkörper ableitet, der im Frühsommer einen Sporenkörper austreibt. Diese metaphorische Beschaffenheit zwischen Tier und Pflanze hat den Raupenpilz schon immer als ein besonderes, fast heiliges, jedenfalls mit mancherlei Heilkräften behaftetes Ansehen verliehen. Das wirtschaftliche Wachstum Chinas, die neue wohlhabende und reiche Oberschicht, hat die Nachfrage nach dieser Droge in ungeahnte Höhen getrieben. Der aktuelle Preis für das Kilogramm Raupenpilz in Shanghai liegt zur Zeit bei 40.000 Euro und übertrifft damit bereits den Goldpreis. Für Tibeter in der Region Yushu - und das gilt auch für viele andere Regionen - ist der Raupenpilz zur wichtigsten Einnahmequelle geworden. Es erscheint mittlerweile fast angebracht, nicht mehr von Nomaden, sondern von Raupenpilz-Sammlern mit oder ohne Tierhaltung zu sprechen. Eine Vernachlässigung der Tiere, der Rückgang der Selbstversorgung und eine stärkere Abhängigkeit von der Geldwirtschaft, Auseinandersetzungen über den Zugang zu den Fundgebieten, sind die eine Seite, neuer Reichtum und der Zugang zu früher unerreichbaren Konsumartikeln und die Teilhabe an einem moderneren Leben sind die andere Seite. Über allem steht die Frage: Der Raupenpilz: Fluch oder Segen, Chance oder Risiko? Diese Frage kann auch Andreas Gruschke letztlich nicht beantworten; seine Untersuchung über die Nutzung vorhandener Ressourcen in einer Zeit des Umbruchs aber ist eine hochprofessionelle, ernsthafte Untersuchung zum Überleben einer traditionellen nomadischen Gesellschaft in modernen Zeiten - das etwas andere Tibetbuch.“ In: Preetorius Stiftungwww.preetoriussttiftung.de (Rubrik Buchbesprechung / Himalaya/Tibet)(7. März 2013)

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