Lieben als Lebensprojekt
Innere Biographie eines Pfarrers der württembergischen Erweckungsbewegung, Bürgertum Neue Folge 24, Studien zur Zivilgesellschaft
Erschienen am
09.12.2024, 1. Auflage 2024
Beschreibung
Die Studie nimmt die Schnittstelle von Gefühlen und Religion in der württembergischen Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts in den Blick. Der Pfarrer Albert Knapp (1798-1864) sowie sein Familien- und Freundeskreis sind der Ausgangspunkt für die emotionshistorische Analyse unterschiedlicher Formen der Liebe und ihrer Interdependenzen im Wissen und Erleben der Erweckten durch den Lebensverlauf hinweg. Wie übersetzte sich die Liebe als christliches Konzept in die Alltags- und Gefühlspraktiken der Erweckten? Wie gestalteten und nutzten sie ihre Liebespraktiken und wofür waren diese Mittel, wofür Zweck? Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen, beleuchtet die detaillierte Untersuchung der (auto-)biographischen Schriftzeugnisse Knapps das Erleben religiöser Identität im Zeichen der Moderne und nimmt unter anderem Knapps Liebe zu Gott ebenso wie die Liebe zu seinen drei Ehefrauen und auch Tieren in den Blick. Im Spannungsfeld zwischen Säkularisierung und Rechristianisierung waren das Religiöse und Gefühle komplex und unabdingbar miteinander verstrickt und bestimmten die private und öffentliche Lebenswelt erweckter Pfarrer maßgeblich mit. Die Liebe zeigt sich in dieser Studie als Grenzpraxis, die Knapp und seine Pfarrkollegen im Rahmen ihres Amtes und ihres Daseins als bürgerliche Männer nutzten, um wider die Verweltlichung zu wirken und sich als Erweckungsbewegung zu organisieren.
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Rezension
Die Studie bietet eine Reise durch das Leben des württembergischen Pfarrers Albert Knapp (1798–1864). Die (auto-)biographischen Schriften Knapps eröffnen einen Blick in die Praktiken, mit denen er in seinem Amt und als Mann des Bürgertums seinen Beziehungen zwischen Himmel und Erde aktiv ihre Qualität verlieh und seine religiöse Identität formte. Die unumgängliche Auseinandersetzung mit dem Geflecht der Lieben und seinem Ausgangs- und Fluchtpunkt in der Liebe zu Gott führte Knapp und sein Umfeld im Zeichen der Moderne stetig an die Grenzen der Moral und forderte sie zur Gefühlsarbeit auf.
Lieben war in der Erweckungsbewegung eine Grenzpraxis, durch die das Religiöse und das Weltliche als Frage der Moral und der Wahrheit stetig neu ausgehandelt und legitimiert wurden.
Schlagzeile
Lieben war in der Erweckungsbewegung eine Grenzpraxis, durch die das Religiöse und das Weltliche als Frage der Moral und der Wahrheit stetig neu ausgehandelt und legitimiert wurden.