Beschreibung
Auf der Grundlage zahlreicher, erstmals veröffentlichter und kommentierter Dokumente aus evangelischen Einrichtungen der Heimerziehug bietet der Band einen differenzierten und facettenreichen Blick auf und in die 'Heimwelten' Niedersachsens von 1945 bis 1978. Dabei kommen auch ehemalige Heimbewohnerinnen und -bewohner, ihre Angehörigen und damalige Erzieherinnen und Erzieher zu Wort. Eine ausführliche Einleitung erlaubt es der Leserin und dem Leser, sich die ausgewählten Dokumente in ihrem zeithistorischen Kontext zu erschließen und weiter zu forschen.
Autorenportrait
Hans-Walter Schmuhl, Prof. Dr. Geboren 1957 in Oberhausen. Studium: Geschichtswissenschaft, Germanistik und Latein in Bochum und Bielefeld. Freiberuflicher Historiker, apl. Professor an der Universität Bielefeld und stellvertretender Leiter des Instituts für Diakonie- und Sozialgeschichte an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal-Bethel.
Forschungsschwerpunkte: Geschichte des Nationalsozialismus, Medizin- und Wissenschaftsgeschichte, Diakoniegeschichte, Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung. Mitherausgeber der Reihe »Schriften des Instituts für Diakonie- und Sozialgeschichte an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal / Bethel« www.idsg-bielefeld.de
Ulrike Winkler, Dr. Geboren 1966 in Bad Kreuznach. Studium: Politik-, Rechts- und Erziehungswissenschaft in Marburg. Freiberufliche Politikwissenschaftlerin. Veröffentlichungen zur Diakoniegeschichte, Zeitgeschichte und Sozialgeschichte.
www.schmuhl-winkler.de
Bücher im Verlag für Regionalgeschichte:
Aufbruch in die Moderne. Der evangelische Kirchenkreis Bielefeld von 1817 bis 2006, 2006
Das Evangelische Perthes-Werk. Vom Fachverband für Wandererfürsorge zum diakonischen Unternehmen, 2009, 2. Auflage 2009
Endstation Freistatt. Fürsorgeerziehung in den v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel bis in die 1970er Jahre, 2009, 2. Auflage 2011
Gewalt in der Körperbehindertenhilfe. Das Johanna-Helenen-Heim in Volmarstein von 1947 bis 1967, 2010, 2. Auflage 2013
»Als wären wir zur Strafe hier«. Gewalt gegen Menschen mit geistiger Behinderung – der Wittekindshof in den 1950er und 1960er Jahren, 2011, 3. Auflage 2012
Heimwelten. Quellen zur Geschichte der Heimerziehung in Mitgliedseinrichtungen des Diakonischen Werkes der Ev.-Luth. Landeskirche Hannovers e.V. von 1945 bis 1978, 2011
»Der das Schreien der jungen Raben nicht überhört«. Der Wittekindshof – eine Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung, 1887 bis 2012, 2012
»Es war eine enge Welt«. Menschen mit Behinderungen, Heimkinder und Mitarbeitende in der Stiftung kreuznacher diakonie, 1947 bis 1975, 2012
Von Anfang an evangelisch. Geschichte des Krankenhauses Gilead in Bielefeld, 2013, 2. Auflage 2014
Vom Frauenasyl zur Arbeit für Menschen mit geistiger Behinderung. 130 Jahre Diakonie Himmelsthür (1884-2014), 2014
125 Jahre Stiftung kreuznacher diakonie (1889-2014). Wandel und Beständigkeit, 2014
Diakonie in der Diaspora. Das Evangelische Diakoniewerk Gallneukirchen von der Habsburgermonarchie bis in die Zweite Republik, 2015
Vom Asyl für entlassene Gefangene zur Teilhabe für Menschen mit Behinderungen. 150 Jahre Diakonische Stiftung Ummeln (1866-2016), 2016
»Was sind wir also, Herr Pastor?«. Evangelische Christen jüdischer Herkunft in Westfalen unter nationalsozialistischer Herrschaft, 2016
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Rezension
Das Buch belegt, wie niedrig die Schwelle lag, bei der Kinder und Jugendliche in Erziehungsheime eingewiesen wurden, wie sehr Kriegswaisen die Aufnahmekapazitäten und später Zehntausende von jugendlichen Flüchtlingen aus der damaligen Ostzone überforderten. Eine Spätfolge der nationalsozialistischen Herrschaft zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Eine Schlüsselfigur spielten in den Heimen die Hausväter, denen alle anderen bedingungslos zu gehorchen hatten. Tätig waren meist Männer, die ihre sekundäre Sozialisation weitgehend als Soldaten oder Hitlerjungen erhalten hatten und ihren Leitungsstil vor allem an drei sozialen Modellen ausrichteten: Kaserne, Gefängnis und Kloster. Das Resultat waren Heime, die als totale Institutionen nur darauf angelegt waren, einen möglichst störungsfreien Betriebsablauf zu gewährleisten. Dies geschah durch immerwährenden Drill, Tagesabläufe ohne Freiräume und durch Einsatz von psychischer und physischer Gewalt.
Ein beklemmendes Buch, das umfassend belegt: ständige Demütigung, ungerechte Bestrafung mit Prügel, Drill und Isolationshaft, unzureichendes Essen, schlechte Kleidung und das Fehlen menschlicher Wärme. Das war bis zum Ende der 60er Jahre in weiten Teilen der kirchlichen Heime Alltag. 'Heimwelten' schlägt eine Bresche für die geschichtliche Wahrheit.
Ludger Fertmann, in: Hamburger Abendblatt, 23.11.2011
Leseprobe
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Inhalt
Erklärung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und des Diakonischen Werkes • 7
Geleit • 9
Dank • 11
Einleitung • 13
Karte • 90
Verzeichnis der Dokumente • 92
Dokumente • 107
Abkürzungsverzeichnis • 501
Heim-, Lager- und Anstaltsregister • 502
Personenregister • 506
Autorin und Autor • 512